Im Pflanzenschutz geht es ums perfekte Timing

Im Pflanzenschutz geht es ums perfekte Timing

Niedersachsens Bauern machen weiter – so wie Ackerbauer Konrad Westphale

L P D – Die meiste Zeit sitzt Konrad Westphale allein auf seinem Trecker. Von den Abstandsregeln in der Corona-Krise ist der Landwirt aus dem Ostkreis Hildesheim daher nur wenig betroffen. „Alle Betriebsmittel wie Dünger, Pflanzenschutzmittel sowie Pflanz- und Saatgut waren lieferbar“, zeigt er sich erleichtert. Auf dem Bauernhof lief daher alles ganz normal weiter, die Maschinen der Maschinengemeinschaft konnten von allen Besitzern genutzt werden und die Zuckerrüben und Kartoffeln sind pünktlich in die Erde gekommen. Auch Winterweizen, Wintergerste, Dinkel und Raps wurden in den passenden Entwicklungsstadien gedüngt und mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. „Nur in den Werkstätten, beim Landhandel und bei der Steuerberatung waren die Einschränkungen zu spüren“, beschreibt Westphale seinen Alltag, den er zu 80 Prozent auf Hof und Acker verbringt.

Gerade, weil er bei der Arbeit auf sich gestellt ist, fehlt ihm nun der Kontakt zu Berufskollegen und Bevölkerung besonders. „Mein Ehrenamt kocht auf Sparflamme“, bedauert der Vorsitzende des Landvolkreisverbandes Hildesheim. Er freut sich auf die ersten Zusammenkünfte „im echten Leben.“ Bislang wird der Kontakt unter den Bauern ein bis zweimal pro Woche per Videokonferenz aufrechterhalten. „Da kommt das Menschliche zu kurz“, meint Westphale. Zudem sei das Internet gerade im ländlichen Raum oft unzuverlässig. Soziale Medien nutzt er zudem lieber, um Informationen zu streuen, als um den persönlichen Kontakt zu halten.

Er freut sich, wenn sich Spaziergänger für die Vorgänge in der Feldmark interessieren und gibt gerne Auskunft. „Dass wir die Pflanzen schützen müssen, wird vor Ort am besten deutlich“, ist er sich sicher. Im Moment steht bei seinem Weizen die Pflanzenschutzbehandlung an, die die jungen Ähren vor Pilzen schützt. Die Zuckerrüben werden im Sechsblattstadium vor dem harten Konkurrenzkampf mit den schnell wachsenden Gräsern bewahrt. „Wir haben hier ein massives Problem mit Windhalm und Ackerfuchsschwanz“, erläutert der Landwirt. Westphale hat seine Flächen immer im Blick, um nach Erreichen der Schadschwelle mit möglichst geringen Wirkstoffmengen auszukommen. Für die Rüben ist dies gleichzeitig auch die Abschlussspritzung. Bis zum Erntebeginn im Herbst haben sie nun nur noch eine Aufgabe: Sonne tanken und Zucker einlagern. (LPD 40/2020)