Braugerste aus Niedersachsen ist ein Qualitätsmerkmal

Braugerste aus Niedersachsen ist ein Qualitätsmerkmal

Bierabsatz gesunken – Trockenheit fordert ihren Tribut

L P D – Hopfen, Hefe, Malz und Wasser – nach dem deutschen Reinheitsgebot wird Bier lediglich aus vier Zutaten gebraut. Das Malz dafür stammt aus den Körnern der Sommergerste, die zu großen Teilen in Niedersachsen wächst und in den kommenden Tagen geerntet wird. „Die Mälzer wissen, dass wir gut aufgestellt sind“, sagt Gerhard Rott, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Niedersächsischen Braugerstenanbaues. In Niedersachsen wird in diesem Jahr auf 44.125 Hektar (ha) Sommergerste geerntet. Gegenüber dem Vorjahr (43.260 ha) ist das eine leichte Steigerung, davon werden wahrscheinlich 23.900 ha für die Herstellung von Malz verwendet, schätzt die Arbeitsgemeinschaft. Das wären 6.400 ha weniger als im Vorjahr. Deutschlandweit liegt die Braugerstenfläche zur Ernte 2020 bei 265.500 ha und damit leicht unter Vorjahresstand.

Durch die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen ist der Absatz an die Mälzereien jedoch um acht Prozent eingebrochen. „Das hört sich wenig an, macht sich jedoch sofort bemerkbar“, sagt Rott. Konnten die Landwirte in anderen Jahren mit Aufschlägen von 25 bis 30 Euro je Tonne gegenüber den Preisen für Futtergerste rechnen, seien es nun eher 15 bis 20 Euro je Tonne. Und das bei einem durch das trockene Frühjahr erhöhten Aufwand, denn Gerste bildet die geforderten großen Körner nur, wenn sie ausreichend Wasser bekommt. Einige Landwirte haben die Braugerstenaussaat bereits auf den Herbst vorverlegt, um auf diese Weise die während der Wintermonate aufgefüllten Bodenwasservorräte zu nutzen. Wichtig zum Bierbrauen sind zudem Eiweißwerte zwischen neun und 11,5 Prozent. Die meisten Bauern beregnen ihre Felder deshalb, um diese guten Qualitäten zu erreichen. Das extrem trockene und warme Frühjahr hat in allen Anbaugebieten, die ohne Beregnung auskommen mussten, deutliche Spuren hinterlassen. „Das hat uns schon wehgetan“, sagt Rott. Je nach Standort werden sich lokale Trockenschäden vor allem durch geringe Bestandsdichten bemerkbar machen. Werden die Qualitätsparameter verfehlt, landet die Braugerste doch noch zu einem günstigeren Preis im Futtertrog. Der Landwirt aus dem Braunschweiger Land hofft, dass die späte Wasserversorgung sich noch positiv auf eine gute Kornausbildung ausgewirkt hat und dass sich die Stimmung bei den Mälzern weiter bessert. „Aber das Bier, dass bis jetzt nicht getrunken wurde, das wird nicht nachgetrunken“, spielt er auf die vielen ausgefallenen Schützen- und Volksfeste an. (LPD 58/2020)