Schwalben brauchen offene Türen und feuchten Lehm

Schwalben brauchen offene Türen und feuchten Lehm

Kulturfolger leidet unter der Trockenheit – Verwilderte Ecken helfen vielen Tieren

L P D – Schwalben gehören seit jeher zu niedersächsischen Bauernhöfen dazu. Als Kulturfolger umschwirren sie seit Jahrzehnten den legendären Misthaufen auf dem Hof und sausen durch geöffnete Stalltore und Fenster zu ihren Nestern. Doch der Strukturwandel bereitet auch ihnen Schwierigkeiten, denn in immer weniger Dörfern gibt es heutzutage noch Misthaufen, offene Tränken und alte Stallungen. Die Landwirte unterstützen die treuen Vögel, die jedes Jahr wieder auf ihre Höfe kommen, deshalb mit Wasserstellen und offenen Türen, berichtet der Landvolk-Pressedienst. Besonders in trockenen Jahren profitieren die Schwalben von eigens angelegten Matschecken. Denn sie brauchen den feuchten Lehm, um ihre Nester zu bauen oder auszubessern. Da sie gerne die alten Nester aus dem Vorjahr beziehen, sind sie zudem dankbar für offene Stalltüren und Fenster.

„Sobald ich die erste Schwalbe sehe, mache ich die Tore weit auf“, bestätigt Ulrich Löhr, Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen. In seiner Familie gibt es einen regelrechten Wettbewerb, um die erste Schwalbe des Jahres. Weil ihm die Vögel so am Herzen liegen, macht er sich auch Sorgen um sie. „Wenn wir die Schwalben fragen könnten, würden sie sofort gegen das Abdecken von Misthaufen stimmen“, ist sich der Landwirt sicher. Denn dort finden die rasanten Flieger ihre Beute. „Das beste Programm für Schwalben wären 30 offene Misthaufen pro Dorf, so wie früher“, erinnert Löhr an frühere Gepflogenheiten. Um die Artenvielfalt in der Feldmark zu fördern, hat Löhr schon vor einigen Jahren das „Wolfenbütteler Modell“ angeregt. Dabei geht es darum, die Greening-Vorgaben, so umzusetzen, dass viele Tiere davon profitieren. „Bauern setzen sich bereits seit vielen Jahren freiwillig für den Artenschutz ein“, betont Löhr.

Eine Vogeltränke im Garten aufzustellen und Nistkästen aufzuhängen ist auch für viele Tierfreunde außerhalb der Landwirtschaft eine liebgewonnene Gewohnheit. Tränken mit frischem Wasser sind für Vögel und Insekten besonders in trockenen Sommern überlebenswichtig. Zur Kür gehören Steinhaufen, auf denen sich wärmeliebende Tiere wie Zauneidechsen, Blindschleichen, Spinnen, Käfer oder Wildbienen wohlfühlen. „Einen großen Wert für Insekten, Vögel und kleine Säuger haben auch Totholzhecken“, sagt Björn Rohloff von der Stiftung Kulturlandpflege. Er wirbt für einen aufmerksamen Umgang mit der direkten Umwelt im eigenen Garten. Dazu gehört auch das Anlegen mehrjähriger Staudenbeete, um Insekten die Möglichkeit zu geben, in den Stängeln zu überwintern. Wer dafür keinen Platz hat, könnte wenig genutzte Ecken des Rasens mal etwas länger stehen lassen und nur einmal im Spätsommer mähen, meint Rohloff. „Die Blüten erfreuen den Gartenbesitzer und bieten Insekten einen wertvollen Lebensraum“, sagt er. (LPD 39/2020)