Ackerbau unter Druck: Ertragsausfälle und niedrige Erzeugerpreise gefährden Betriebe
Landvolk fordert schnelle Hilfe für Niedersachsens Ackerbaubetriebe
L P D – Die aktuelle Weizen- und Rapsernte verschärft die seit Jahren bereits angespannte wirtschaftliche Lage vieler Ackerbaubetriebe in Niedersachsen. Das Landvolk Niedersachsen warnt vor einem zunehmenden Liquiditätsengpass und fordert kurzfristige Hilfen sowie langfristige Verbesserungen der Wettbewerbsbedingungen.
Die große Hitze im Juni mit Temperaturen über 35 Grad zur entscheidenden Kornfüllungsphase hat die Erträge vielerorts um bis zu 25 Prozent sinken lassen und wirkte sich auch auf die Qualitäten aus. Besonders betroffen sind Niedersachsens Kornkammern im Braunschweiger Land und in der Hildesheimer Börde. Aber auch in Westniedersachsen ist der Sommer außergewöhnlich trocken. Während die Betriebskosten weiter steigen, wären die Erlöse für Getreide selbst bei einer guten Ernte schon nicht kostendeckend.
„Unsere Ackerbauern geraten in einen enormen Liquiditätsengpass. Deshalb müssen viele ihr Getreide notgedrungen schon jetzt in der Ernte verkaufen und können nicht auf die von den Terminmärkten vorhergesagten höheren Preisen im Herbst warten“, erklärt der Ausschussvorsitzende für pflanzliche Erzeugnisse im Landvolk, Konrad Westphale. Der Kreisvorsitzende aus dem Braunschweiger Land Karl-Friedrich Wolff von der Sahl warnt vor den Folgen: „Die aktuelle Ernte ist mit nochmals höheren Produktionskosten erzeugt worden. Die niedrigen Erzeugerpreise reißen somit nicht nur ein Minus in die aktuelle Erntebilanz, sondern gefährden auch die nächste Aussaat.“ Beide sind sich einig: Sollte sich diese Entwicklung zukünftig fortsetzen, sodass selbst große Betriebe nicht kostendeckend wirtschaften können, so wird sich der Strukturwandel beschleunigen. In der Folge könnten reduzierte Anbauflächen sich auf die Versorgungssicherheit in Deutschland auswirken.
Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies verweist darauf, dass die deutsche Landwirtschaft trotz höchster Standards bei Umwelt-, Klima- und Tierschutz sowie einer sehr hohen Effizienz zunehmend unter Druck gerät. „Die Schere zwischen Erzeugerpreisen und Betriebsmittelkosten öffnet sich immer weiter“, erklärt Hennies. Zusätzlich zu hohen Energie- und Arbeitskosten schlagen umfangreiche Dokumentationspflichten sowie internationale Marktverwerfungen unter anderem infolge des Ukraine-Krieges und der aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten zu Buche. „Wir haben die Sorge, dass junge Betriebsleiter und potenzielle Hofnachfolger den Beruf das Landwirts zunehmend in Frage stellen und den Betrieb aufgeben oder erst gar nicht übernehmen, weil die wirtschaftliche Perspektive fehlt“ gibt Hennies an.
Besonders kritisch sei, dass vielen Betrieben aktuell die Liquidität fehle, um Saatgut, Dünger, Diesel oder Pflanzenschutzmittel für das kommende Anbaujahr vorzufinanzieren. Das Landvolk sieht hier als mögliche Lösungen unter anderem eine Ausweitung der Liquiditätsprogramme der Landwirtschaftlichen Rentenbank mit besseren Zinskonditionen und flexibleren Laufzeiten, eine Anhebung der De-minimis-Beihilfegrenze, Steuerstundungen sowie eine steuerfreie Gewinnausgleichsrücklage. Ebenso notwendig seien ein konsequenter Bürokratieabbau und mehr Offenheit für Innovationen wie moderne Pflanzenzüchtung und schnellere Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel und -wirkstoffe.
„Wir fordern keine Marktinterventionen und keine Abschaffung unternehmerischer Risiken“, betont Hennies. „Aber außergewöhnliche Marktverwerfungen erfordern außergewöhnliche Unterstützung. Andernfalls drohen enorme Wertschöpfungsverluste im ländlichen Raum, Produktionsrückgänge und eine Verlagerung der Lebensmittelproduktion ins Ausland.“ (04.08.2026)
Ansprechpartnerin: Silke Breustedt-Muschalla, Tel.: 0511 3670483, silke.breustedt-muschalla@landvolk.org