Apfelernte startet mit vorsichtigem Optimismus
Offizielle Eröffnung am 28. August im Land Hadeln
L P D – „Wir sind Optimisten, sonst würden wir den Job nicht machen“ – trotz Wetterkapriolen wie Hitze, Trockenheit und Hagel blickt Obstbauer Stephan Eckhoff aus dem Land Hadeln vorsichtig optimistisch auf die diesjährige Apfelernte. „Es hängen schöne Früchte an den Bäumen“, sagt er und freut sich darauf, diese bei der Apfelsaisoneröffnung am Freitag, 28. August 2026, um 15 Uhr zu zeigen. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Fachgruppe Obstbau im Landvolk Niedersachsen, Claus Schliecker, wird Eckhoff symbolisch die ersten Äpfel der neuen Saison ernten.
Trotz der Hagelschauer, die auch in diesem Jahr über seine Apfelplantage hinweggezogen sind, rechnet Eckhoff mit einer normalen Ernte. „Wir haben in Hagelnetze investiert und sind versichert“, erläutert er. Die wirtschaftliche Lage der Obstbaubetriebe sei jedoch angespannt. In der vergangenen Saison sei die Vermarktung wegen der besonders großen Erntemenge schwierig gewesen. „Die Preise der alten Ernte sind sehr niedrig, deshalb ist die Stimmung in der Branche gedrückt“, sagt Eckhoff.
Drastischer beschreibt Claus Schliecker die Situation vieler Obsthöfe. „So eine gespenstische Situation habe ich noch nicht erlebt“, sagt der Vorsitzende der Fachgruppe Obstbau im Landvolk Niedersachsen. Noch immer seien große Mengen der alten Ernte nicht verkauft. Teilweise müssten Äpfel in die Saftindustrie abgegeben werden – zu Preisen, die bei Weitem nicht ausreichten, um die Kosten zu decken. „Einige Betriebe stehen am Rand der Existenz“, warnt Schliecker.
Umso wichtiger sei der Start in die neue Saison. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) erwarten die deutschen Obstbaubetriebe in diesem Jahr eine Apfelernte von rund 934.000 Tonnen. Damit würden voraussichtlich 52.900 Tonnen oder 5,4 Prozent weniger Äpfel geerntet als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre von 2016 bis 2025. Europaweit zeichnet sich nach Einschätzung der Branche die kleinste Apfelernte seit 2017 ab. „Die Voraussetzungen für die Vermarktung sind damit besser als im vergangenen Jahr“, sagt Schliecker. Einzelne Obsthöfe wie der von Eckhoff stünden wirtschaftlich etwas besser da – auch, weil sie sich diese Position in den vergangenen Jahren durch Investitionen hart erarbeitet hätten.
Äpfel bleiben laut Destatis auch 2026 das mit Abstand am meisten geerntete Baumobst in Deutschland. Bundesweit werden sie auf einer Fläche von 32.700 Hektar angebaut. Niedersachsen nimmt dabei eine Spitzenposition ein: Mit einer Anbaufläche von 8.400 Hektar und einer erwarteten Apfelernte von 272.000 Tonnen liegt das Land nach Baden-Württemberg an zweiter Stelle.
Trotz der Hoffnung auf eine bessere Vermarktung sieht Schliecker für die Obstbaubranche große strukturelle Aufgaben. Er verweist insbesondere auf erhebliche Wettbewerbsnachteile durch den Mindestlohn und fordert zugleich mehr Verantwortung vom Lebensmitteleinzelhandel. Dieser müsse sich klar zum Ehrenkodex für heimisches Obst und zu ausreichenden Regalplätzen für deutsche Ware bekennen. „Ich vermisse die Rücksicht darauf, dass auf Importe verzichtet wird, wenn heimisches Obst verfügbar ist“, prangert Schliecker an. Nicht nur die Obstbaubetriebe als Lebensmittelproduzenten trügen Verantwortung, sondern auch der Lebensmitteleinzelhandel.
Genau wie seine Berufskollegen hofft Eckhoff nun auf steigende Preise. „Wir sortieren und vermarkten zum Teil selbst, das ist ein großer Unterschied. Wenn die Ernte gut reinkommt, sollte es passen“, sagt der Obstbauer. Auch mit Blick auf die Zukunft seines Betriebes bleibt er Optimist: Seinen 27-jährigen Sohn Nils möchte er für den Einstieg in den Hof motivieren. „Da hilft es nicht, zu viel zu jammern“, meint er augenzwinkernd.
Ansprechpartnerin: Wiebke Molsen, Tel.: 0511 3670476, wiebke.molsen@landvolk.org