Biogas: Schlüsseltechnologie mit ungewisser Zukunft

Biogas: Schlüsseltechnologie mit ungewisser Zukunft

Branche richtet sieben Forderungen an die Bundesregierung

L P D – Das Zeitfenster für die Zukunft der deutschen Biogasbranche schließt sich. Wie der Landvolk-Pressedienst berichtet, steht die Bundesregierung vor der Entscheidung, rund 10.000 bestehende Biogasanlagen zu flexiblen Speicherkraftwerken weiterzuentwickeln einen erheblichen Teil dieser Infrastruktur in den kommenden Jahren vom Netz geht zu lassen. Vertreter aus Landwirtschaft, Energiewirtschaft und Bioenergie haben daher im Rahmen des diesjährigen Biogasinnovationskongresses die „Osnabrücker Erklärung“ mit sieben Forderungen an die Bundesregierung verabschiedet und damit ein deutliches Signal für die Zukunft der Bioenergie gesetzt.

Die Forderung: Biogas und Biomethan müssen als zentrale Bausteine einer sicheren, bezahlbaren und klimafreundlichen Energieversorgung anerkannt werden. Dabei geht es nicht nur um die Stromerzeugung, sondern ebenso um die Wärmeversorgung, den Kraftstoffmarkt, die Kreislaufwirtschaft und die Wertschöpfung im ländlichen Raum.

Aus Sicht der Branche reichen die bisherigen Gesetzesvorhaben nicht aus, um den Weiterbetrieb und Ausbau der Anlagen zu sichern. Im Mittelpunkt der Kritik stehen der Entwurf für das EEG 2027, die Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes sowie das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz. Gefordert wird unter anderem ein deutlich größeres Ausschreibungsvolumen für Biomasseanlagen, eine verlässliche Anschlussregelung für bestehende Anlagen sowie bessere Rahmenbedingungen für Investitionen in Flexibilisierung und Speicherleistung. Ebenso müsse Biomethan dauerhaft im Gasnetz verankert werden. Die derzeit vorgesehenen Regelungen würden insbesondere neue Biomethananlagen wirtschaftlich ausbremsen und geplante Investitionen gefährden.

Auch bei der Wärmewende sieht der Deutsche Bauernverband gemeinsam dem Fachverband Biogas und dem Bundesverband Bioenergie Nachbesserungsbedarf. Die im Gebäudemodernisierungsgesetz vorgesehene sogenannte „Bio-Treppe“ könne zwar grundsätzlich ein geeignetes Instrument sein, müsse aber praxisgerechter ausgestaltet werden. Gleichzeitig dürften gesetzliche Vorgaben auf der Nachfrageseite nicht durch Einschränkungen bei Erzeugung und Netzanbindung konterkariert werden. Besonders kritisch wird zudem die zunehmende Bürokratie bewertet. Dokumentations-, Nachweis- und Berichtspflichten würden vor allem kleinere und landwirtschaftliche Anlagen überproportional belasten. Gefordert wird daher eine Rückführung der Vorgaben auf das europarechtlich notwendige Maß.

Die Branche spricht sich außerdem gegen weitere Einschränkungen bei der Wahl der Einsatzstoffe aus. Statt zusätzlicher Begrenzungen müsse neben der Nutzung von Gülle, Mist, Reststoffen, Zwischenfrüchten und weiteren nachhaltigen Substraten auch der Einsatz von Energiepflanzen, wie Mais im größeren Umfang ermöglicht werden. Biogasanlagen seien nicht nur Energieerzeuger, sondern auch wichtiger Bestandteil funktionierender Nährstoff- und Stoffkreisläufe.

Vor dem Hintergrund zunehmender Anforderungen an die Versorgungssicherheit wird schließlich eine stärkere Berücksichtigung von Biogas und Biomethan in der Kraftwerksstrategie des Bundes gefordert. Flexibilisierte Anlagen könnten erhebliche regelbare Leistung bereitstellen und hätten insbesondere in Zeiten geringer Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie ihre Bedeutung für die Stabilität des Energiesystems bereits mehrfach unter Beweis gestellt.

Für die Landwirtschaft steht dabei mehr auf dem Spiel als die Zukunft einzelner Anlagen. „Biogas verbindet Energieerzeugung, Klimaschutz und Wertschöpfung im ländlichen Raum“, fasst Alexander von Hammerstein, Vorsitzender des Ausschusses für Erneuerbare Energien im Landvolk Niedersachsen zusammen. Jede weitere Verzögerung bei den politischen Entscheidungen gefährde nicht nur Investitionen und Arbeitsplätze, sondern auch die Versorgungssicherheit und die Erreichung der energiepolitischen Ziele Deutschlands. (LPD 44/2026)

Ansprechpartnerin: Wiebke Molsen, Tel.: 0511 3670476, wiebke.molsen@landvolk.org