Heimisches Obst: Ein Fünftel ist zu wenig!
Landvolk unterstützt Obstbauern bei bundesweiter Aktion für faire Wettbewerbsbedingungen
L P D – Fünf Obstkisten, doch nur eine ist davon gefüllt mit heimischem Obst: Mit diesem eindrucksvollen Bild haben Niedersachsens Obstbaubetriebe am Donnerstag in Hannover auf die schwierige Lage des heimischen Obstbaus aufmerksam gemacht. Das Landvolk Niedersachsen unterstützt die Forderungen der Obstbauern nach verlässlichen und wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen.
„Wir wollen auch künftig heimisches Obst aus Niedersachsen und Deutschland auf unseren Tellern haben. Dafür müssen die Betriebe aber wirtschaftlich arbeiten können“, sagt Dirk Zabel, Obstanbauer aus Hannover. Der Obstbau stehe unter einem erheblichen Kostendruck. Steigende Arbeitskosten, zunehmende Anforderungen beim Pflanzenschutz, Wetterextreme, hoher Investitionsbedarf und bürokratische Vorgaben belasteten die Familienbetriebe gleichzeitig.
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung beim Selbstversorgungsgrad: Rund 18 Prozent des in Deutschland verzehrten Obstes stammen aus heimischem Anbau. Auch bei wichtigen deutschen Obstarten wie Äpfeln, Birnen, Erdbeeren, Heidelbeeren, Kirschen und Pflaumen liegt der Selbstversorgungsgrad zwischen 20 und 50 Prozent – mit sinkender Tendenz.
„Importe gehören zu unserer Obstversorgung dazu. Aber heimische Betriebe dürfen im Wettbewerb nicht dauerhaft ins Hintertreffen geraten, weil hier andere, höhere Lohn-, Sozial- und Produktionsbedingungen gelten“, betont Zabel. Das Landvolk unterstützt daher die Forderungen der Bundesfachgruppe Obstbau nach wettbewerbsfähigen Bedingungen für Saisonarbeitskräfte, praxisnahen Lösungen beim Pflanzenschutz, weniger unnötiger Bürokratie sowie verlässlichen Rahmenbedingungen für Investitionen und Klimaanpassung.
Der Strukturwandel macht den Handlungsbedarf deutlich: Die Zahl der Betriebe mit Baumobstanbau ist zwischen 2017 und 2022 von 7.167 auf 6.510 gesunken. „Was heute verschwindet, lässt sich morgen nicht einfach wieder aufbauen“, warnt Zabel. Es gehe deshalb nicht um leere Obstregale, sondern um die Frage, wie viel Obst Deutschland künftig noch selbst erzeugen könne. (LPD 77/2026)
Ansprechpartnerin: Silke Breustedt-Muschalla, Tel.: 0511 3670483, silke.breustedt-muschalla@landvolk.org
Quelle:
Selbstversorgungsgrad bei Obst und Gemüse in Deutschland: BZL