Hitze fordert Landwirte auf allen Ebenen
Landvolk Niedersachsen fordert mehr Schutzmaßnahmen – Start der Getreideernte
L P D – Die anhaltende Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 36 Grad Celsius am Wochenende belasten die Landwirtschaft in Niedersachsen gleich mehrfach. Beschäftigte auf den Feldern sind verstärkt den gesundheitlichen Risiken der UV-Strahlung und Wärmebelastung ausgesetzt, Nutztiere benötigen intensive Betreuung zur Vermeidung von Hitzestress und auch die Entwicklung wichtiger Kulturpflanzen kann unter den hohen Temperaturen leiden. Das Landvolk Niedersachsen verweist auf die vielfältigen Maßnahmen der Betriebe und fordert zugleich mehr Aufmerksamkeit für die Folgen extremer Wetterlagen.
Für Landwirtinnen und Landwirte sowie ihre Beschäftigten gehört die Arbeit im Freien zum Berufsalltag. Mit zunehmenden Hitzewellen steigt jedoch das Risiko für weißen Hautkrebs, der inzwischen die häufigste anerkannte Berufskrankheit in der Landwirtschaft ist. Vorstufen wie aktinische Keratosen oder Morbus Bowen entstehen häufig durch jahrzehntelange UV-Belastung. „Die Diagnose ,weißer Hautkrebs‘ trifft häufig diejenigen, die viele Jahre draußen gearbeitet haben. Gerade bei älteren Beschäftigten ist das Erkrankungsrisiko signifikant erhöht“, berichtet Sandra Glitza, zuständig für Sozialrecht beim Landesbauernverband Niedersachsen. Mit angepassten Arbeitszeiten, Sonnenschutzkleidung, Schattenspendern und einem gestiegenen Bewusstsein für die Gefahren der UV-Strahlung versuchen die Betriebe gegenzusteuern.
Auch in den Ställen erfordert die Hitze besondere Aufmerksamkeit. Hühner, Schweine und Kühe schwitzen weniger als Menschen und regulieren ihre Körpertemperatur daher über eine Erhöhung der Atemfrequenz. Um sich abzukühlen, suchen sie Schatten auf, trinken mehr Wasser und reduzieren ihre Aktivität. In modernen Ställen ermöglichen Sprüh-Kühlanlagen und Ventilatoren eine Absenkung der Stalltemperatur um bis zu vier Grad Celsius gegenüber dem Außenbereich. Diese computergesteuerten Systeme sorgen dafür, dass die Tiere auch bei hochsommerlichen Temperaturen ein möglichst angenehmes Stallklima vorfinden.
Die Hitzewelle hat auf den Wiesen dafür gesorgt, dass die meisten Landwirte ihr Heu und ihre Silage trocken einfahren konnten und auch die ersten Mähdrescher sind in die Gerstenfelder aufgebrochen, um die Ernte einzubringen. Bislang hat es dort nach einer durchschnittlichen Getreideernte ausgesehen, was durch die Hitze mit Weizen, Dinkel und Roggen passiert, die sich noch in der Kornfüllungsphase befinden, ist jedoch noch nicht abzuschätzen. „Die Hitze tut dem Getreide weh und wird wahrscheinlich Qualität und Ertrag kosten“, lautet die Einschätzung von Konrad Westphale, Vorsitzender des Ausschusses für pflanzliche Erzeugnisse im Landvolk Niedersachsen. Die Abreife werde durch die hohen Temperaturen massiv beschleunigt. Durch den Einsatz von Beregnungsanlagen können die Folgen zwar teilweise abgemildert werden, es komme allerdings dadurch auch zu Mehrarbeit und höheren Kosten. Die Beregnung ist zudem nicht auf allen Flächen möglich und zeitlich begrenzt. Die Landwirte stehen damit erneut vor der Aufgabe, flexibel auf extreme Wetterbedingungen zu reagieren und die Hitze macht deutlich, wie eng Tierwohl, Ernteerfolg und Gesundheit der Beschäftigten mit dem Wetter verknüpft sind.
Unternehmen mit Beschäftigten, die bei der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft in der SVLFG versichert sind, können eine Info-Box zum Hitze- und Sonnenschutz am Arbeitsplatz kostenlos bestellen. Nähere Informationen sind unter Lass Dich nicht verbrennen – Ihre Info-Box zum Hitze- und Sonnenschutz verfügbar. (LPD 47/2026)
Wiebke Molsen, Tel.: 0511 3670476, wiebke.molsen@landvolk.org