Immer mehr Gänse, immer mehr Schäden

Landvolk: Bisherige Lösungen reichen für die wachsende Belastung nicht aus

L P D – Wenn am 10. Oktober 2026 die 18. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer starten, steht für viele Menschen das faszinierende Naturschauspiel des Vogelzugs im Mittelpunkt. Für die Landwirtinnen und Landwirte an der Nordseeküste hat die wachsende Zahl der Wildgänse dagegen längst eine andere Dimension erreicht. „Früher waren die Gänse von November bis Februar oder März hier. Heute bleiben sie von August bis Mai, teilweise sogar ganzjährig“, berichtet Carl Noosten, Vorsitzender des Landvolkkreisverbandes Norden-Emden. „Damit ist auch der Pflanzenwechsel auf Sommerungen für uns Landwirte keine Lösung mehr. Die Schäden durch Fraß und Verkotung in den Getreidebeständen und auf dem Grünland sind enorm.“

Das Landvolk Niedersachsen weist seit Jahren auf die zunehmende Belastung hin. Auch bei einer Anhörung des Agrarausschusses im Niedersächsischen Landtag im August berichteten Landwirte aus Ostfriesland über die Folgen der wachsenden Gänsepopulation. „Es werden immer mehr Gänse – die bisherigen Lösungen reichen einfach nicht mehr aus“, sagt Noosten. Ein Problem sei fehlendes belastbares Datenmaterial. „Es darf nicht nur innerhalb der Vogelschutzgebietskulissen gezählt werden. Dort ist schon lange kein Platz mehr für alle Gänse. Sie weichen ins Landesinnere aus, und die Höfe außerhalb der Kulissen stehen dann im Regen.“

Das Landvolk fordert deshalb ein landesweites Monitoring, das auch die sogenannten Sommergänse vollständig erfasst. Zudem brauche es einen gerechten Schadensausgleich für alle betroffenen Betriebe, unabhängig von Schutzgebietsgrenzen und ohne finanzielle Obergrenzen. „Landwirte außerhalb der Kulissen bekommen gar nichts, außer von Jahr zu Jahr mehr Gänse und mehr Schäden“, bringt Noosten die Situation auf den Punkt.

Eine wichtige fachliche Grundlage bietet der kürzlich erschienene „Praxisleitfaden Vogelschutzrichtlinie/FFH-Richtlinie – Die Vereinbarkeit von wirtschaftlicher Landnutzung und Artenschutz: Nonnengans“. Das Landvolk Niedersachsen hat an der 36-seitigen Broschüre der Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (AfN) mitgewirkt. „Das Populationswachstum der Nonnengans ist einerseits ein Erfolg des Natur- und europäischen Artenschutzes, bringt andererseits gerade in den Küstenregionen erhebliche Herausforderungen für die Landwirtschaft mit sich“, erklärt Dr. Nataly Jürges, Umweltreferentin beim Landesbauernverband.

Aus Sicht des Landvolks ist nun ein Kurswechsel erforderlich: „Wir brauchen endlich Entlastungen und Entschädigungen“, fordert Noosten. Dazu gehören ein wirksames Bestandsmanagement, weniger bürokratische Hürden bei der Bejagung sowie eine enge Abstimmung zwischen Naturschutz, Politik und Landwirtschaft. Nur so lasse sich der Konflikt zwischen Vogelzug und Landwirtschaft dauerhaft entschärfen. (LPD 77/2026)

> Download Praxisleitfaden Nonnengänse (pdf)
> Download Forderungspapier (pdf)

Ansprechpartnerin: Alisha Trilling, Tel.: 0511 3670431, alisha.trilling@landvolk.org