Knusprige Martinsgans trotz Vogelgrippesorgen
Niedersachsens Gänsehalter fordern Schutz durch Impfungen
L P D – Knusprige Haut, zartes Fleisch und dazu Rotkohl und Klöße: Für viele Menschen gehört der Gänsebraten zum Martinstag am 11. November einfach dazu. Doch während sich die Verbraucher auf das traditionelle Festessen freuen, blicken Niedersachsens Gänsehalter mit Sorge auf die herbstliche Vogelgrippesaison. „Ohne eine Impfung wird es kritisch“, sagt Iris Tapphorn, Gänsehalterin aus Lohne. Sie beobachtet das Geschehen nach ersten Fällen in Schleswig-Holstein sehr genau. Weil die Gänse auf den saftigen Wiesen besonders gefährdet sind, hat Tapphorn ihr Federvieh nach den ersten Fällen sicherheitshalber in den Stall gebracht.
Es werde daher ausreichend Gänsebraten auf Bestellung geben. So wie Tapphorn vermarkten viele niedersächsische Landwirte ihre Tiere zwischen dem Martinstag und Weihnachten direkt. „Es lohnt sich auch, mal auf dem Markt nachzufragen“, empfiehlt die passionierte Gänsehalterin. Weil polnische Anbieter ihre Preise angehoben hätten, sei der Preisunterschied zu heimischen Gänsen geschrumpft. „Es spricht alles für einen leckeren Braten, der unter höchsten Tierwohlbedingungen in Deutschland aufgezogen wurde“, ist Tapphorn überzeugt.
Bei der Zubereitung bietet sie auf Wunsch Unterstützung an, die gut nachgefragt wird. „Immer mehr jüngere Leute oder Männer kaufen unser Rundum-Sorglos-Paket, bei dem die Gans mit Gewürzen und Bratschlauch beim Verbraucher ankommt“, lautet ihre Erfahrung. So bleibe an Weihnachten mehr Zeit für die Familie. „Einige Männer schenken die Zubereitung des Menüs ihren Ehefrauen zu Weihnachten“, plaudert sie aus dem Nähkästchen – ein sauberer Backofen inklusive.
Für die Gänsehalter selbst hängt ein entspanntes Weihnachtsfest vor allem davon ab, ob ihre Tiere gesund bleiben. Der massive Seuchenzug 2025 hatte deutschlandweit das Leben von rund 80 Prozent der Gänse-Elterntiere gefordert. „Neben dem Tod von etwa 1,6 Millionen Tieren, liegt der Schaden in Niedersachsen bei 41 Millionen Euro“, sagt die Geschäftsführerin der Niedersächsischen Tierseuchenkasse, Dr. Ursula Gerdes. Deutschlandweit beliefen sich die insgesamt während der Saison entstandenen Kosten auf 82 Millionen Euro.
Tapphorn fordert daher schon lange eine Impfung der Gänse gegen die Vogelgrippe. „Wir sind kurz vor dem Ziel“, sagt sie mit Blick auf die bisherigen Fortschritte. Auch den Antrag auf einen Impfversuch des Friedrich-Loeffler-Instituts begrüßt die Landwirtin. „Es hat sich viel getan“, freut sie sich. Für Tapphorn geht es dabei nicht nur um die wirtschaftliche Existenz der Höfe, sondern auch um das Leid der Tiere. „Weil Wildtiere betroffen sind, werden wir die Vogelgrippe nicht ausrotten können“, weist sie auf den wiederkehrenden Eintrag durch den Vogelzug hin. Eine Impfung würde Tierleid und Kosten erheblich vermindern. (LPD 84/2026)
Ansprechpartnerin: Wiebke Molsen, Tel.: 0511 3670476, wiebke.molsen@landvolk.org