Krisen, Kriege, Klimawandel – Wie passt dazu der Erntedank?
Landeserntedankfest am 4. Oktober im Landkreis Wolfenbüttel
L P D – Wenn am kommenden Sonntag Erntedank gefeiert wird, geht es um mehr als um volle Scheunen und gefüllte Teller. Es geht um die Menschen, die Lebensmittel erzeugen, und um die Frage, welche Perspektive die Landwirtschaft in der Gesellschaft hat. „Wir leben in einem der fruchtbarsten Länder der Welt und ernten in Niedersachsen so viel, dass wir die Nachbarregionen mitversorgen können“, sagt Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies. Umso größer ist seine Sorge, dass zurzeit auch gut geführte Betriebe Schwierigkeiten haben, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.
Aufgrund von Hitze, Hagel und Trockenheit fällt die Getreideernte in Niedersachsen vor allem bei den Qualitäten unterdurchschnittlich aus. Auch bei Obst, Kartoffeln und Mais müssen die Erzeuger voraussichtlich einige Abstriche hinnehmen. Die Zuckerrübenernte ist gerade angelaufen und wird voraussichtlich durchschnittlich ausfallen. Für die Betriebe noch bedrohlicher sind die kriegsbedingt stark gestiegenen Kosten und die niedrigen Erzeugerpreise. Auch in Tierhaltung mit Ausnahme der Geflügelhaltung ist die Erlös- und Kostensituation ähnlich bedenklich.
Wofür also der Erntedank? „Schaut man in den Süden und Westen Deutschlands, sind dort die Einbußen wesentlich schlimmer und wir können dankbar sein, dass wir gut ausgebildete Landwirtinnen und Landwirte haben, die sich auf den Klimawandel einstellen“, führt Hennies aus. Damit auch im nächsten Erntejahr und in den Jahren danach noch gedankt werden kann, weist er auf die Notwendigkeit schneller Veränderungen hin: „Die Saat der Reformen muss gelegt, das Unkraut der Überregulierung zurückgedrängt werden. Denn nur so können wir wieder Perspektiven gewinnen.“
Es gibt aber erste positive Preissignale: bei Geflügel, Kartoffeln und langsam auch bei Milch und Zucker. „Darauf dürfen wir aber nicht einfach warten. Wir Landwirtinnen und Landwirte, die Politik und die Gesellschaft müssen gemeinsam handeln“, ist sich der Landvolkpräsident sicher. Wertschöpfung und Ernährungssicherheit in Niedersachsen sind keine Selbstverständlichkeit. Wirklich zufrieden könne derjenige sein, der am gesellschaftlichen Leben teilnimmt und dessen Arbeit Anerkennung und Entlohnung findet.
Als sichtbares Zeichen des Dankes hat Hennies gemeinsam mit den Landfrauen und der Landjugend eine Erntekrone an Landesbischof Ralf Meister übergeben. Die vom Kreislandfrauenverband Osnabrück gebundene Krone wurde im Foyer des Landeskirchenamtes in Hannover aufgehängt.
Beim Landeserntedankfest am Sonntag, 4. Oktober, im Landkreis Wolfenbüttel wird Hennies mit vielen anderen den Leistungen der Landwirtinnen und Landwirte zum Wohl aller danken. Landesbischöfin Dr. Christina-Maria Bammel wird die Predigt im Gottesdienst halten, der um 14 Uhr in der St. Andreaskirche in Cramme beginnt. Vor der Kirche lädt die Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft zu einem Markt ein. Die Landwirtschaftspastorin der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Cornelia Möller, wird am Stand zu landwirtschaftlichen Sorgentelefonen und Familienberatungen informieren. (LPD 75/2026)
Presse-Medienpaket
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