Landvolk unterstützt Mutterschutz für Selbstständige

Bündnis „Mutterschutz für Alle!“ demonstriert am 6. Oktober vor dem Reichstag in Berlin

L P D – Zwei Wochen nach einem Kaiserschnitt stand Vanessa Dierink wieder im Stall. Die Landwirtin aus der Grafschaft Bentheim und Mutter von zwei Kindern konnte es sich 2018 nicht leisten, nach der Geburt ihrer zweiten Tochter länger aus dem Betrieb auszusteigen. Trotz Krankschreibung musste sie weiterarbeiten, da sie als selbstständige Unternehmerin keine ausreichende finanzielle Unterstützung erhielt. Ihre Erfahrungen stehen beispielhaft für die fehlende Absicherung selbstständiger Frauen rund um Schwangerschaft und Geburt. Deswegen macht das „Bündnis für den Mutterschutz für Selbstständige“ am 6. Oktober vor dem Reichstag in Berlin auf die Missstände aufmerksam.

„In meinen Augen sollten wir auf selbstständige Unternehmerinnen in Deutschland nicht verzichten müssen. Aus diesem Grund brauchen wir den Mutterschutz für Selbstständige jetzt!“, fordert Dierink, die Mitglied im Arbeitskreis landwirtschaftliche Unternehmerinnen im Landvolk Niedersachsen ist. Auch Katharina Wellner, ebenfalls Mitglied des Arbeitskreises, kennt die Herausforderungen. Die mit ihrem vierten Kind schwangere Landwirtin hat in der aktuellen Landvolk-Podcast-Folge darüber berichtet, wie sehr ein verlässlicher Mutterschutz selbstständigen Frauen helfen würde.

„Wir fangen nicht bei null an. Jetzt geht es darum, aus den vorhandenen Ansätzen eine umsetzbare Regelung zu entwickeln. Sie muss nicht vom ersten Tag an jede Form der Selbstständigkeit perfekt abbilden. Entscheidend ist, dass wir anfangen, Erfahrungen sammeln, evaluieren und weiterentwickeln“, betont Johanna Röh, selbstständige Tischlermeisterin und Initiatorin des Bündnisses sowie Vorsitzende des Vereins „Mutterschutz für Alle!“, der sich für die gesetzliche Absicherung einsetzt.

Das Bündnis weist darauf hin, dass der Mutterschutz für Selbstständige zwar im Koalitionsvertrag vereinbart ist, im inzwischen bekannt gewordenen Referentenentwurf zur Elterngeldreform jedoch eine entsprechende Regelung fehlt. Damit sei weiterhin offen, auf welchem gesetzlichen Weg die dringend benötigte Absicherung umgesetzt werden soll. Auch die Parlamentarische Staatssekretärin Silvia Breher sieht dringenden Handlungsbedarf: „Wir müssen Frauen in der Landwirtschaft weiter stärken – als Hofnachfolgerinnen, Betriebsleiterinnen, Mitunternehmerinnen. Wichtig sind gute Rahmenbedingungen für Mutterschaft und Selbstständigkeit. In der Landwirtschaft gibt es mit der Betriebs- und Haushaltshilfe praktische Unterstützung, die ankommt. Beim Mutterschutz wollen wir in dieser Legislaturperiode praktikable Lösungen für alle selbstständigen Frauen finden.“

Um auf die Situation aufmerksam zu machen und konkrete Lösungen voranzubringen, veranstaltet das „Bündnis für den Mutterschutz für Selbstständige“ am 6. Oktober eine Aktion vor dem Reichstag in Berlin. Rund 30 Selbstständige aus unterschiedlichen Branchen, darunter auch Katharina Wellner, werden dort ihre Erfahrungen sichtbar machen. Im anschließenden Zukunftsgipfel „Selbstständigkeit & Familie – warum Vereinbarkeit Wirtschaftspolitik ist“ diskutieren Fachleute, Verbände und Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik über mögliche Wege zur Umsetzung. (LPD 76/2026)

Ansprechpartnerin: Alisha Trilling, Tel.: 0511 3670431, alisha.trilling@landvolk.org