Landwirte schaffen Lebensräume

Landwirte schaffen Lebensräume


Biodiversität: 20 Prozent mehr Feldhasen, 80 Prozent mehr Rebhühner

L P D – Alles, was vier, sechs oder acht Beine hat, fühlt sich dort wohl. „Der Insektenwall ist seit 2022 wirklich der Top-Performer in unserem Programm“, schwärmt Anton Sartisohn von der Stiftung Kulturlandpflege. Besonders um Hecken, Wäldchen oder Teiche miteinander zu vernetzen, eignet sich das weithin sichtbare grüne Band mitten auf dem Acker. Dass Maßnahmen wie diese zur Aufwertung der Agrarlandschaft beitragen können, zeigen auch die Ergebnisse der Wildtiererfassung. Demnach ist die Feldhasenpopulation in der Region Hannover zwischen 2019 und 2024 um 20 Prozent gestiegen. Beim Rebhuhn wurde im gleichen Zeitraum ein Anstieg um 80 Prozent verzeichnet.

Die positive Entwicklung zeigt, dass die Kombination verschiedener Maßnahmen die Agrarlandschaft ökologisch aufwerten kann. „Es gibt nicht die eine Maßnahme, die überall passt“, sagt Björn Rohloff, Geschäftsführer der Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen. Entscheidend sei die Kombination von Blühangeboten, Rückzugsräumen und geeigneten Brutflächen, die sich ergänzen und die Agrarlandschaft vielfältiger machen.

Für Landwirte ist der Anblick der blühenden Disteln, dem duftenden Dill oder der meterhohen Melde auf dem Acker dagegen erstmal ungewohnt „Natürlich bedeutet so eine Maßnahme auch zusätzliche Zeit und Arbeit bei der Anlage und Pflege. Aber wenn man sieht, was sich hier entwickelt, macht das den Aufwand mehr als wett“, berichtet Landwirt Lukas Burchard aus Linderte, der gemeinsam mit seinen Eltern Michaela und Christoph solche auch als „Beetle Banks“ bekannten Insektenwälle angelegt hat. Sie freuen sich über den Anblick der Rebhühner genauso wie über die positiven Rückmeldungen der Spaziergänger.

Niedersachsenweit sind inzwischen auf einer Fläche von 60 Hektar durch gegenläufiges Pflügen Insektenwälle entstanden, an den sich auf beiden Seiten mehrjährige Blühstreifen anschließen. Dadurch bieten sie auf engem Raum unterschiedliche Lebensbedingungen für viele verschiedene Tiere. „Es summt und krabbelt nur so von Wildbienen, Schmetterlingen, Spinnen und vielen anderen Insekten“, lautet Burchards Erfahrung. Davon profitieren auch Feldvögel und Niederwild wie Rehe, Hasen und Rebhühner, die Schutz in der Deckung der großen Pflanzen suchen. Die Lage abseits von Feldwegen sei für die ruhesuchenden Tiere entscheidend.

Seit 2024 gehören Insektenwälle regulär zum Biodiversitätsprogramm, das die Region Hannover seit 2018 gemeinsam mit dem Landvolk Hannover und der Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen umsetzt. In diesem Jahr beteiligen sich 90 Landwirte mit insgesamt 241 Hektar Maßnahmenfläche. „Die Artenvielfalt in unserer Agrarlandschaft können wir am besten gemeinsam mit den Menschen stärken, die diese Flächen bewirtschaften“, sagt Jens Palandt, Erster Regionsrat und Umweltdezernent der Region Hannover. Die Region schaffe dazu den finanziellen Rahmen.

„Landwirtinnen und Landwirte kennen ihre Flächen und die betrieblichen Abläufe am besten. Entscheidend ist deshalb, dass die Maßnahmen gemeinsam entwickelt werden, in der Praxis gut umsetzbar sind und die Leistungen und Ertragsausfälle der Betriebe angemessen ausgeglichen werden“, fasste Joachim Hasberg, stellvertretender Geschäftsführer des Landvolks Hannover, zusammen. Er hofft daher gemeinsam mit seinen Mitstreitern, dass die Region Hannover auch in 2027 wieder 300.000 Euro für das Programm zur Verfügung stellt. Die Landwirte und viele Tiere der heimischen Kulturlandschaft würden sich freuen.

Informationen zu Blühstreifen und Blühflächen, Stoppelbrachen mit „Hohem Halm“, Getreidestreifen, Feldvogelinseln oder speziellen Kiebitzinseln sind unter www.stiftungkulturlandpflege.de verfügbar. (LPD 70/26)

Foto: Björn Rohloff, Geschäftsführer der Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen, Joachim Hasberg, stellvertretender Geschäftsführer des Landvolks Hannover, Landwirt Lukas Burchard aus Linderte, Jens Palandt, Erster Regionsrat und Umweltdezernent der Region Hannover (v.l.)

Ansprechpartnerin: Wiebke Molsen, Tel.: 0511 3670476, wiebke.molsen@landvolk.org