Mit den Mitarbeitern kam die Freiheit zurück
Frank Cordes aus Reeßum steht im Finale des CeresAwards in der Kategorie Rind
L P D – Wenn Du Bauer bleiben willst, dann musst Du viel größer werden! Diesen Rat seines Tierarztes hat Frank Cordes aus Reeßum beherzigt und hat den Hof nach seiner Übernahme 1995 mit 24 Kühen in Anbindehaltung auf mittlerweile 750 Kühe vergrößert. „Ich habe das nicht bereut und würde es immer wieder so machen – auch wenn ich anfangs in der Berufsschule noch beschmunzelt wurde“, blickt er zurück. Das er mit seinem Hof auf dem richtigen Weg ist, zeigt auch der Einzug ins Finale beim CeresAward des Deutschen Landwirtschaftsverlags, der im Oktober in Berlin verliehen wird.
„Ich habe mich dort beworben, weil ich allen Menschen zeigen möchte, wie nachhaltig wir wirtschaften“, sagt Cordes. Das CO2-Äquivalent liege im Elbe-Weser-Dreieck unter einem Kilogramm pro Liter Milch. Er ist stolz darauf, dass seine Kühe im Schnitt pro Jahr rund 15.000 Liter Milch geben. „Ich werde bei meinen Hofführungen oft gefragt, ob die Kühe davon nicht krank werden“, sagt er. Dabei sei es genau andersherum. Ein extra rutschhemmender Gummiboden und eine Lüftung, die das Klima optimiert, sorgen unter anderem dafür, dass sich die Kühe wohl fühlen und ihre volle Leistung abrufen können. Im Bau ist zudem gerade ein vollklimatisierter Kälberstall. „Wir halten in Niedersachsen auf einem Niveau Tiere, das weltweit seinesgleichen sucht“, ist er überzeugt.
Auch in das gute Betriebsklima der 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investiert Familie Cordes. „Wir haben zwei Futtermischwagen, wenn der eine kaputt ist, nehmen wir den anderen“, nennt er ein Beispiel. Das höre sich vielleicht erstmal nach Luxus an, die Maschinen hielten dadurch aber auch länger und es bräche unter den Mitarbeitern weniger Stress aus. „Wir haben mehr Personal als andere Betriebe, aber es ist mir auch ganz wichtig, dass die Kühe es nicht merken, wenn mal einer krank ist oder Urlaub hat“, beschreibt er seine Philosophie. Der Herdenmanager solle genug Zeit haben, um agieren zu können und nicht unter Druck reagieren zu müssen.
Die Mitarbeiter erlauben ihm und seiner Ehefrau Marina Lindhorst-Cordes im Gegenzug, sich aus dem Tagesgeschäft zurückzuziehen und sich um Öffentlichkeitsarbeit, Ehrenämter und weitere Bauprojekte zu kümmern. Während die ältere Tochter Hanke Erzieherin geworden ist, hat die 19-jährige Anna gerade die landwirtschaftliche Ausbildung abgeschlossen und möchte den Hof übernehmen. „Die Kinder waren auch der Grund, warum wir die Tierzahl erhöht haben“, betont Cordes. Zu zweit hätten sie auf dem Hof immer nur gearbeitet und wenig Zeit für ihre Kinder gehabt. Erst mit den Mitarbeitern sei die Freiheit zurückgekommen. „Wir haben die Arbeit immer gerne gemacht, aber wenn wir so weitergemacht hätten, wären wir im Burnout gelandet“, ist er sich sicher. Das er heute glücklich ist, davon überzeugt er die Menschen gerne bei Hofführungen, beim Tag der offenen Tür und hoffentlich auch beim Besuch der Jury des CeresAwards. Denn den Titel „Landwirt des Jahres“ möchte er 2026 gewinnen.
Ansprechpartnerin: Wiebke Molsen, Tel.: 0511 3670476, wiebke.molsen@landvolk.org