Niedersachsen fördert und verschärft zugleich den Wettbewerbsdruck

Landvolk kritisiert Ausgestaltung der AFP-Förderung / Vorschläge aus der Praxis finden kein Gehör

L P D – Niedersachsen stellt zusätzliche Millionen für den Umbau der Tierhaltung bereit – doch die Bedingungen sorgen beim Landvolk Niedersachsen für Kritik. Für das Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP) sind 2027 neben 17 Millionen Euro aus EU- und GAK-Mitteln (Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes) weitere 15,5 Millionen Euro aus Landesmitteln vorgesehen, 2028 nochmals 5,2 Millionen Euro. Damit setzt das Land ein wichtiges Signal für den Umbau der Tierhaltung. Gleichzeitig droht die restriktive Ausgestaltung der Förderung gerade den Betrieben zum Problem zu werden, die investieren und ihre Haltung zukunftsfähig machen wollen.

„Das ist ein unmoralisches Angebot“, kritisiert Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers. Besonders betroffen ist die Sauenhaltung: Die bisherige Bundesförderung für den Umbau der Tierhaltung lief im August aus und war für viele niedersächsische Betriebe eine wichtige Unterstützung. Nun sollen die Länder einspringen – doch Vorschläge aus der Praxis für eine tragfähige Ausgestaltung finden bislang kein Gehör.

„Das ist deshalb ein unmoralisches Angebot, weil den Betrieben Geld für notwendige Investitionen angeboten wird, gleichzeitig die Förderbedingungen aber so hoch angesetzt werden, dass ein großer Teil der Unterstützung wieder aufgezehrt wird. Die Nachfrage nach Produkten aus der Haltungsformstufe 3, 4 und erst recht aus Stufe 5 ist begrenzt. Zugleich sind diese Haltungssysteme deutlich arbeitsintensiver und ökonomisch weniger effizient“, kritisiert der Landvolk-Vizepräsident. Die Gefahr sei groß, dass Landwirte in Strukturen investierten, die sich unter den künftigen Wettbewerbsbedingungen nicht dauerhaft tragen könnten, so Ehlers.

Neben dem Ausblenden der realen Marktsituation kritisiert Ehlers, dass Niedersachsen erneut eine „Goldrandlösung“ wähle, die über die Vorgaben auf Bundesebene hinausgehe. „Investiert ein niedersächsischer Schweinemäster mithilfe von Förderung in einen Stall, der konform mit Haltungsformstufe 3 ist, ist er im Vergleich zu Berufskollegen, die in anderen Bundesländern nach Haltungsformstufe 3 bauen, in der Gestaltung seines Stalles deutlich eingeschränkt“, sagt Ehlers – mit der Folge, dass niedersächsische Betriebe arbeitsintensivere Stalleinrichtungen umsetzen müssten und dadurch an Wettbewerbsfähigkeit verlören.

Gerade die Tierhaltung steht durch immer neue gesetzliche Vorgaben unter erheblichem Anpassungsdruck. Für die Betriebe bedeuten diese Veränderungen häufig kostenintensive Stallumbauten, die zudem mit aufwendigen Genehmigungsverfahren verbunden sind. Eine verlässliche – und dem aktuellen Marktumfeld angepasste – Förderung sei deshalb entscheidend, damit die niedersächsischen Betriebe im Wettbewerb bestehen können.

Enttäuscht zeigt sich das Landvolk darüber, dass konkrete Vorschläge aus der Praxis zur Ausgestaltung der Förderung eingebracht, aber nicht aufgegriffen wurden. „Es ist bedauerlich, wie wenig das Ministerium auf die Erfahrungen und Vorschläge der Landwirte eingeht. Damit erweist es dem Tierwohl und der Nutztierhaltung einen Bärendienst“, sagt Ehlers. „Wer Tierwohl wirklich voranbringen will, muss den Betrieben einen wirtschaftlich tragfähigen Weg dorthin ermöglichen – und ihnen zuhören, wenn sie sagen, was auf den Höfen funktioniert und was nicht.“ (LPD 74/2026)

Ansprechpartnerin: Silke Breustedt-Muschalla, Tel.: 0511 3670483, silke.breustedt-muschalla@landvolk.org