Sojaanbau: Wie die Bohne Niedersachsen erobert
Vermarktung ist die größte Herausforderung – Erste Euphorie oft schnell verflogen
L P D – Der Klimawandel machts möglich: In Niedersachsen wachsen seit einigen Jahren die ursprünglich in südlicheren Gefilden beheimateten Sojabohnen. „Ich habe in Weihenstephan in Bayern studiert und die Kultur dort kennengelernt“, sagt Frederik Clasen aus Hiddestorf im Landkreis Verden. Berater rieten noch vor einigen Jahren davon ab, Sojabohnen nördlich der A2 anzubauen, da sich dort der Boden im Frühjahr nicht schnell genug erwärme. Der innovative Landwirt hat es 2021 trotzdem ausprobiert und es hat auf Anhieb geklappt. „Pflanzenbaulich ist das eine interessante Kultur, die auch noch schön anzusehen ist und unter anderem neben der guten Vorfruchtwirkung auch Vorteile in der Ackerfuchsschwanzbekämpfung bietet“, begründet Clasen seinen Vorstoß.
Er beteiligt sich daher zusammen mit Jan Hecht aus dem Landkreis Nienburg gerne als Demobetrieb am bundesweiten Leguminosen-Netzwerk, kurz LeguNet. Dieses wurde im Rahmen der vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMLEH) und vom Deutschen Bundestag beschlossenen Eiweißpflanzenstrategie ins Leben gerufen und wird in Niedersachsen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen begleitet. Projektträger ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).
Die erste Ernte von zweieinhalb Hektar hat Clasen noch in Ein- bis Zehn-Kilo-Tüten über Ebay verkauft, in den Folgejahren mit Anbauflächen zwischen zehn und 20 Hektar kamen bereits Unternehmen wie die Rügenwalder Mühle auf ihn und seinen Anbaupartner zu. „Die Vermarktung ist fast das Schwierigste an den Sojabohnen“, betont der 29-jährige. Da sie auf die Verarbeitung zu Lebensmitteln vorbereitet und auch für den Einsatz als Futtermittel getoastet werden müssen, legt die Ernte weite Strecken zurück – entweder nach Rotterdam zum größten Getreidehändler der Welt oder in andere Teile Deutschlands.
„Die verarbeiten dort mehr als 1000 Tonnen pro Woche und es bedeutet einen nicht darstellbaren Aufwand, wenn unsere Menge dort ankommt und als Charge niedersächsisches Soja verarbeitet werden soll “, erläutert Clasen. Vor allem, wenn auf den Produkten nachher der Werbespruch „Mit Soja aus Niedersachsen“ prangen soll, ist eine Trennung der heimischen zu anderen Sojabohnen nur schwer möglich. Die Euphorie der Abnehmer verfliege daher schnell.
Die Sojabohne sammelt durch Knöllchenbakterien an den Wurzeln den Stickstoff aus der Luft. Da die hierfür benötigten Rhizobienstämme in den niedersächsischen Böden nicht vorkommen, muss die Saat damit entweder in einer Mischmaschine oder auf anderem Weg geimpft werden. „Die Sojabohne ist sehr sensibel und hat einen schlechten Feldaufgang, wenn die Außenhülle verletzt ist“, sagt Clasen. Er ist daher froh, dass er mit dem Lohnunternehmen Meins aus Böhme einen Partner gefunden hat, der mit innovativer Technik unterwegs ist und eine Vorrichtung an die Einzelkornsämaschine gebaut hat, die die Sojabohnen während der Aussaat direkt im Saatbett impft.
„Der Anbau ist mit einiger Erfahrung gut machbar und man kann auch in Niedersachsen in guten Jahren um die vier Tonnen Soja pro Hektar ernten, nur um die Vermarktung muss man sich immer wieder kümmern, weil sich die Abnehmer schnell wieder ändern“, weist er interessierte Landwirte auf das Hauptproblem hin. Die Haupteinkünfte des Hofes erbringen daher Raps, Weizen und Gerste sowie die Schweinehaltung.
„Umsatztechnisch gesehen ist der Sojaanbau für uns mit ein bis zwei Prozent des Gesamtumsatzes eher fast als ein Hobby zu bezeichnen, was aber trotzdem in den vergangenen Jahren ökonomisch unter dem Strich mit guten Weizen- und Rapserträgen mithalten konnte“, verdeutlicht Clasen die Relationen. Trotzdem sei der Sojaanbau ohne die Förderung über die Ökoregelungen für eine vielfältige Fruchtfolge ökonomisch leider nicht tragbar.
Dies spiegelt sich auch im weltweiten Anbauvergleich wider, wie Zahlen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft belegen. Demnach wurden 2024 in Deutschland 131.800 Tonnen Sojabohnen geerntet. Das sei fast dreimal so viel wie noch 2016, als die Sojaernte in Deutschland erstmals statistisch erfasst wurde. Im globalen Vergleich kommt die EU insgesamt auf einen Anteil von nur 0,7 Prozent.
Wichtigstes Anbauland ist Italien, Deutschland liegt im EU-Vergleich auf Rang acht. In Brasilien, dem weltweit größten Sojaproduzenten, wurden 169 Millionen Tonnen geerntet, auf den weiteren Plätzen folgen die USA und Argentinien. 80 Prozent der Welternte von knapp 421 Millionen Tonnen entfallen auf diese drei Länder.
Mehr Infos unter lwkn.de/legunet und legunet.de. (LPD 06/2026)
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