Trockenheit 2026: Niedersachsen kommt mit einem blauen Auge davon

Trockenheit 2026: Niedersachsen kommt mit einem blauen Auge davon

Ernte unterdurchschnittlich / Raps großer Verlierer / Regen jetzt nötig

L P D Kühe, die auf braunen Weiden stehen, statt auf saftigen grünen Wiesen: Das ist kaum vorstellbar für die Wiesen und Grünlandflächen in Niedersachsen. Für Bayerns Tierhalter ist dies Realität geworden, und laut bayerischem Bauernverband kämpft die Hälfte der Bauern im Freistaat mit den Dürrefolgen. Das bayerische Landwirtschaftsministerium stufte die aktuelle Dürre sogar offiziell als Katastrophenfall ein. „Glücklicherweise ist es bei uns im Norden nicht so schlimm, aber die ersten Dürreanzeichen machen sich nach den vielen Tagen ohne bedeutenden Niederschlag auch bei uns bemerkbar. Allerorten weisen die klimatischen Wasserbilanzen hohe Minuswerte auf“, erklärt Dr. Karsten Padeken vom Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen.

Niedersachsens Milchviehhalter haben von einer guten Grundlage aus dem späten Frühjahr mit einer qualitativ und quantitativ guten bis durchschnittlichen Grundfuttersituation profitiert. „Je weiter man aber von der Küste Richtung Inland fährt, sieht man in den Regionen, wo der Niederschlag nicht ganz so gut hingekommen ist und die Flächen teilweise vertrocknet und nun braun geworden sind. Doch grundsätzlich ist die Situation befriedigend“, erläutert Padeken die Situation der Grünlandbauern. Massive Probleme seien eher der Gänsefraß und die Mäusepopulation, die durch die Trockenheit begünstigt wurden.

Für Niedersachsens Ackerbauern war das trockene Wetter für ein schnelles Einholen der Ernte perfekt, aber die heißen Tage im Juni 2026 haben insgesamt zu einer unterdurchschnittlichen Ernte mit geringeren Erträgen geführt. „Abgesehen von der Wintergerste fallen alle Erträge unterdurchschnittlich, aber im Schnitt nicht katastrophal schlecht aus“, zieht der Vorsitzende des Ausschusses pflanzliche Erzeugnisse im Landvolk Niedersachsen, Konrad Westphale, Bilanz.

Beim Weizen wird dieses Jahr besonders deutlich: Verhältnismäßig schwache Erträge sind vor allem auf den Hochertragsstandorten mit Hildesheim sowie Braunschweig-Gifhorn zu verzeichnen. „Das ist wirtschaftlich besonders bitter, da dort über die Saison viel investiert wird, um möglichst hochqualitatives Brotgetreide zu erzeugen. Viele Kollegen stehen mit dem Rücken an der Wand“, erklärt Westphale.

Beim Winterweizen ernteten Niedersachsens Bauern im Durchschnitt weniger als 78 Dezitonnen pro Hektar (dt/ha) und somit knapp sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Hier reißt besonders Hildesheim als Niedersachsens Kornkammer für Weizen mit einer Anbaufläche von mehr als 100.000 Hektar mit einem Minus von über 16 Prozent die Latte. Nur 75 dt/ha konnten die Ackerbauern dort ernten statt fast 90 dt/ha im Vorjahr.

Bei Triticale wurden fast 70 dt/ha vom Feld geholt, was gut neun Prozent weniger waren als 2025. Sommergerste und Roggen verloren mit knapp 62 dt/ha und 68 dt/ha 4,6 bzw. 2,8 Prozent Ertrag gegenüber dem Vorjahr.

Große Verluste mussten die Anbauer von Winterraps einstecken. Mit 31 dt/ha holten sie fast 17 Prozent weniger Ertrag vom Acker als 2025. Im Bezirk Hildesheim konnten von der fast 33.000 Hektar großen Anbaufläche nur gut 33 dt/ha geerntet werden – ein Minus von mehr als 20 Prozent. Ganze 40 Prozent weniger Raps ernteten die Ackerbauern hingegen in der Region Braunschweig-Gifhorn, die durchschnittlich nur 24 statt 40 dt/ha vom Acker holten.

„Das sind gerade für unsere Kornkammer erschreckende Ergebnisse, zumal die Betriebskosten weiter steigen und die Erlöse im Keller sind. Die niedrigen Erzeugerpreise reißen nicht nur ein Minus in die aktuelle Erntebilanz, sondern gefährden die nächste Aussaat, weil vielen Betrieben aktuell die Liquidität fehlt, um Saatgut, Dünger, Diesel oder Pflanzenschutzmittel für das kommende Anbaujahr vorzufinanzieren“, beschreibt Westphale die Problemfelder im Ackerbau.

Doch Landwirtschaft arbeitet schon immer mit Umwelt und Wetter und kommt damit zurecht. Problematisch sind eher die äußeren Faktoren wie Wettbewerbsfähigkeit am internationalen Markt oder die Überregulierung. Aber insgesamt – sind sich Padeken und Westphale einig – müsse nun schnellstmöglich eine längere Regenperiode folgen, damit die Wiesen sich erholen können, die noch zu erntenden Hackfrüchte keinen Schaden nehmen und die kommende Aussaat einen guten Start bekomme. (LPD 62/2026)

Ansprechpartnerin: Silke Breustedt-Muschalla, Tel.: 0511 3670483, silke.breustedt-muschalla@landvolk.org