Was zählt, ist mehr als der Hof

Porträt: Karsten Padeken über Verantwortung für die nächste Generation

L P D – Immer weiter in seinen Arbeitsplatz investieren, obwohl der Ruhestand schon in der Ferne am Horizont naht? „Mit höherem Alter fällt es mir schwerer, höhere Risiken einzugehen“, gibt Dr. Karsten Padeken zu. Der 62-jährige Landwirt aus der Wesermarsch tut es trotzdem, weil sein Sohn den Hof mit 270 Hektar und 300 Milchkühen gerne übernehmen möchte. „Den Betrieb für die kommende Generation weiterzuentwickeln und zu gestalten, macht mir am meisten Spaß“, sagt er. Auch wenn das immer wieder finanzielle Engpässe und einen engen Kontakt zur Bank bedeute. Als promovierter Agrarwissenschaftler hat er die Zahlen gut im Blick.

Um seinen Hof zukunftsfähig aufzustellen, hat er 2020 in einen neuen Melkstand investiert. „Wir melken noch an zwei Standorten, das soll sich auf Dauer ändern“, nennt er ein konkretes Projekt. Zudem habe die Digitalisierung sowohl auf Wiesen und Weiden als auch im Kuhstall Einzug gehalten. „Die Kühe werden heute deutlich stärker überwacht, dadurch ist eine höhere Milchleistung bei gleichzeitig höheren Tierwohlstandards möglich“, sagt Padeken. Neben der automatischen Kraftfutterfütterung meint er damit auch die Überwachung der Gesundheitsdaten, die den Alltag auf dem Hof erleichtern.

Alle Landwirte denken in Generationen. Für Padeken geht die Verantwortung jedoch über das eigene Hoftor hinaus. Auf Landes- und Bundesebene engagiert er sich insbesondere für die Bereiche Moor und Grünland. Unter anderem ist er Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbandes Wesermarsch, der Arbeitsgemeinschaft Moorbauern und des Grünlandausschusses im Landvolk Niedersachsen. Verständnis für die Landwirtschaft zu schaffen und vor allen Dingen die politischen Rahmenbedingungen mitzugestalten, sind sein Antrieb. „Die Wiedervernässung der Moore hätte für uns Landwirte und die ländliche Bevölkerung tiefgreifende Folgen“, sagt Padeken, der selbst auf Moorstandorten wirtschaftet und dies auch in Zukunft tun möchte.

„Von außen ist oft der Wunsch nach einer eierlegenden Wollmilchsau zu spüren“, lautet seine Erfahrung. Gute Lebensmittel in großer Anzahl bei optimalem Naturschutz seien jedoch nur schwer mit entspannten Bauern auf idyllischen Höfen vereinbar. „Ich wünsche mir mehr faktenbasierte Entscheidungen und verbesserte Rahmenbedingungen für unsere tägliche Arbeit“, appelliert er an die Politik. Und dass ab und zu jemand die Leistung auf den Höfen anerkenne. „Was die Landwirtinnen und Landwirte leisten, ist schon enorm“, zollt er seinen Berufskollegen Respekt. Für seinen eigenen Einsatz ist Padeken wiederum auf die Unterstützung zu Hause angewiesen. „Ohne die gute Zusammenarbeit mit der Familie und zwei Mitarbeitern würde meine ehrenamtliche Arbeit nicht gehen“, ist er dankbar für die Möglichkeiten, die sich dadurch eröffnen. (LPD 80/2026)

Ansprechpartnerin: Wiebke Molsen, Tel.: 0511 3670476, wiebke.molsen@landvolk.org