Wasserschutz: Reduzierte Düngung erreicht Grenzen

Umweltausschuss im Landvolk Niedersachsen diskutiert über Monitoring

L P D – Die Landwirte reduzieren seit Jahren die Ausbringung von Mineraldüngern und trotzdem ist oft noch kein Rückgang von Nitratkonzentrationen in den Grundwasser-Messstellen des Landes feststellbar. „Die Höhe der Düngung ohne Überschüsse ist nur ein Faktor und nicht allein entscheidend für den Gewässerschutz“, folgerte Henrich Meyer zu Vilsendorf, Referatsleiter im Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium, daraus.

Mineralisierungsprozesse, pflanzenbauliche Aspekte und zeitliche Wirkungsverzögerungen müssten berücksichtigt werden. Trotzdem sei die erreichte Effizienzsteigerung ein wichtiger Erfolg und den Landwirtinnen und Landwirte dafür deutlich zu danken. „Das ist richtig gut, was auf den Höfen im Sinne des Gewässer- und Umweltschutzes geleistet wird“, sagte er bei der Sitzung des Umweltausschusses im Landvolk Niedersachsen.

Die wissenschaftliche Absicherung unterschiedlicher Maßnahmen in der land-wirtschaftlichen Praxis stellte Dr. Burkhard Stever-Schoo vom Julius-Kühn-Institut in Braunschweig vor. Unter dem Titel „Ergebnisse aus dem bundesweiten Monitoring von Stickstoffemissionen im Pflanzenbau“ zeigte er die Wirkungen der Vorgaben aus der Düngeverordnung im Vergleich zu anderen Maßnahmen wie die Fruchtfolgegestaltung in Ackerbaugebieten auf und diskutierte mit den Ausschussmitgliedern die Frage, wo weiterhin Potenziale bestehen, Nitratauswaschungen zu senken.

Es ist dafür ein Monitoring-Netzwerk aufgebaut worden, das frühzeitig Nitratkonzentrationen und -verlagerungen am Ort ihrer Entstehung erfasst. „2016 sind wir zunächst mit Ackerbaubetrieben gestartet, 2021 kamen tierhaltende Betriebe hinzu, darunter Veredlungs- und Milchviehbetriebe. Mittlerweile sind auch Gemüsebaubetriebe dabei“, erläuterte er die Entwicklung. Heute werde deutschlandweit in 13 Gebieten mit über 100 Demonstrationsbetrieben und auf mehr als 1.000 Testflächen gearbeitet.

„Wir erfassen verschiedene Indikatoren: Schlag- und Hoftorbilanzen und vor allem Boden-Nmin-Werte zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Auf ausgewählten Flächen nehmen wir sogar 14-tägig Bodenproben und erfassen zusätzlich Bodenwassergehalte. Dazu kommen Nitrat-Tiefbohrungen bis drei Meter Tiefe und, wo es möglich ist, Dränwasseranalysen“, zählte Stever-Schoo auf. Auch Witterung und Bewirtschaftung werden detailliert erfasst, unter anderem Bodenbearbeitung, Aussaat, Sorten, Düngung und Wetterdaten.

„Bei den Ackerbaubetrieben haben wir inzwischen langjährige Zeitreihen und da sehen wir ziemlich deutlich, dass die Stickstoffzufuhr seit 2017 im Mittel um rund 30 Kilogramm zurückgegangen ist, der Mineraldüngereinsatz sogar um etwa 50 Kilogramm“, präsentierte Stever-Schoo entsprechende Ergebnisse. Damit sei die Stickstoffnutzungseffizienz gestiegen.

Die Stickstoffbilanz allein erkläre die tatsächlichen Prozesse auf der Fläche je-doch nicht vollständig. „Nach der Ernte passiert noch sehr viel“, sagte Stever-Schoo. Wie stark sich die Bodenbearbeitung jeweils auswirke, sei jedoch unsicher. Welche Faktoren besonders wichtig seien, hänge stark von Region, Boden und Witterung ab. „Ein Faktor taucht aber überall auf, und das ist die Frucht beziehungsweise die Fruchtfolge“, sagte Stever-Schoo. Entscheidend für den Gewässerschutz sei zudem eine frühe Aussaat der Zwischenfrüchte direkt nach der Getreideernte.

„Als guter Ackerbauer ist es meine Aufgabe, mit Zwischenfrüchten die Speicherfähigkeit des Bodens zu verbessern“, bestätigte Landvolk-Vizepräsident Hubertus Berges aus Cloppenburg. Das wirke sich sowohl positiv auf den Wasserhaushalt bei Dürre und Starkregen aus als auch auf den Nährstoffpuffer, aus dem die Pflanzen zehren könnten.

Das Landvolk Niedersachsen stehe hinter der Transparenz der Landwirte durch den Nährstoffbericht und die Elektronische Nährstoffmeldung Niedersachsen (ENNI). „Nun wollen wir aber auch die Früchte dafür ernten – sprich: die pauschale Reduktion der Düngung um 20 Prozent in Roten Gebieten abschaffen“, forderte Berges. Dieser Wert sei politisch und nicht wissenschaftlich festgelegt worden. Entscheidend sei vielmehr, den tatsächlich im Boden vorhandenen Stickstoff zu kennen und die Wechselwirkungen von Fruchtfolge, Boden, Witterung und Bewirtschaftung zu berücksichtigen, statt pauschal immer weniger Stickstoff zuzuführen. (LPD 73/2026)

Ansprechpartnerin: Wiebke Molsen, Tel.: 0511 3670476, wiebke.molsen@landvolk.org