Weinanbau im Norden ist kein Problem mehr

Weinanbau im Norden ist kein Problem mehr

Gute Aussichten bei Niedersachsens Winzern auf die Weinlese 2026

L P D – 60 Hektar bewilligte Rebfläche zeigen: Niedersachsens Weinbau hat sich etabliert und wird sogar bei internationalen Wettbewerben prämiert. Dabei setzen die Winzer nicht auf große Mengen, sondern auf Qualität, besondere Standorte und regionale Vermarktung. Die Aussichten auf den Jahrgang 2026 sind dabei regional unterschiedlich – eines verbindet die Betriebe jedoch: Die Nachfrage nach niedersächsischem Wein wächst, teilt der Landvolk-Pressedienst mit.

Wie unterschiedlich die Bedingungen sein können, zeigt Jan Brinkmann vom Weinhof Brinkmann am Teutoburger Wald bei Osnabrück. Dort beginnt die Weinlese bereits in dieser Woche – so früh wie noch nie. „Durch das warme und trockene Wetter ist der Solaris schon reif“, sagt Brinkmann. Zwar erwartet er dort wegen der mehr als 100 Liter Regen zur Blütezeit eine geringere Erntemenge, die Qualität stimmt ihn aber optimistisch: „Die Abreife durch das sonnige Wetter ist super, und die anderen Sorten sehen in Menge und Qualität gut aus.“ Er profitiere vom Dreiklang Südhang, guter Boden und alte Pflanzen. Für die Solaris-Lese werden 95 Helfer benötigt. Innerhalb von 24 Stunden waren die Plätze nach einem Aufruf im Internet vergeben. Auf 2,5 Hektar wachsen bei Brinkmanns robuste Sorten wie Helios, Solaris, Blütenmuskateller, Souvignier Gris und Regent. Weinbergführungen und Wein-Events ergänzen das Angebot des traditionsreichen landwirtschaftlichen Betriebes.

In Lenglern bei Göttingen verfolgt Michael Winkler die Entwicklung ebenfalls mit Spannung. Auf drei Hektar baut der Apotheker nebenberuflich Solaris sowie fünf weitere Weiß- und drei Rotweinsorten an. „Das ist kein Riesling-Jahr“, sagt Winkler. Ausschlaggebend seien für ihn vor allem Temperatur, Luftfeuchtigkeit und seine Betriebsstruktur, weniger die Trockenheit. Seine Hauptsorten, pilzwiderstandsfähige Rebsorten (Piwis), seien bislang gut zurechtgekommen. Nun komme es auf die nächsten Wochen an: Eine weitere Warmperiode mit gelegentlich Regen vorzugsweise am Vormittag sowie etwas Wind und Sonne für schnelles Abtrocknen wären perfekt. „Reife, steigender Zuckergehalt und Säureabbau sowie unbeschädigtes Lesegut sind jetzt die entscheidenden Parameter – hier ist dann wie jedes Jahr das Timing der Lese die Königsdisziplin“, wünscht sich Winkler auch für dieses Jahr. Der Weinpionier aus Niedersachsen hatte bei der letztjährigen „PIWI International Wine-Challenge“ des Verbandes mit seinem „Souvignier Gris 2025“ die höchste Punktzahl erreicht und gewonnen.

Beim Meitzer Weinhof in der Wedemark haben Helmut Bäßmann und Günter Depke ebenfalls vor allem die Qualität im Blick. Sie erwarten eine mittlere Ernte und einen guten Jahrgang. Dank Frostschutzberegnung und tiefreichender Wurzeln kamen die Reben trotz des kalten Frühjahrs zur Blütezeit und der Trockenheit gut durch die Saison. „Weinanbau im Norden ist kein Problem mehr“, betont Bäßmann. Die Solaris-Lese soll Anfang September starten, Grauburgunder und Cabaret Noir folgen Ende September. Die Anbaufläche wurde inzwischen auf drei Hektar erweitert, doch mehr als 20.000 Flaschen sollen es nicht werden. „Entscheidend ist für uns die Qualität und nicht die Masse“, betont Bäßmann. Beim Tag des offenen Weinfeldes am 30. August können Besucher den Weinanbau kennenlernen und zudem den ersten Meitzer Sekt probieren. Auch Brinkmann und Winkler setzen mit Weinbergführungen und Veranstaltungen auf den direkten Kontakt zu den Verbrauchern.

Ob Osnabrück, Göttingen oder Wedemark: Niedersachsens Winzer zeigen, dass Weinbau im Norden längst angekommen ist. Regionale Herkunft, besondere Sorten und hohe Qualität statt Masse – damit wollen sie sich ihren Platz im Weinregal und bei den Verbrauchern sichern. (LPD 64/2026

Ansprechpartnerin: Silke Breustedt-Muschalla, Tel.: 0511 3670483, silke.breustedt-muschalla@landvolk.org