Wenn der Wald brennt, kommen die Landwirte
Feuer, Dürre und Schädlinge setzen Bäumen zu
L P D – Die ersten Minuten sind bei einem Waldbrand entscheidend. „Wenn jemand einen Waldbrand über die 112 meldet, kann das Handy geortet werden. Das funktioniert sehr gut“, sagt Dirk Schütte. Der Berufsfeuerwehrmann engagiert sich ehrenamtlich im Vorstand des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen und appelliert an alle Waldbesitzer: „Es ist sehr wichtig, die Traglast der Wege zu stärken und das Lichtraumprofil für die großen Löschfahrzeuge freizuhalten.“ Nur so könnten die Einsatzkräfte schnell zu einem Brandherd kommen, bevor aus einem Bodenfeuer ein Kronen- bzw. Wipfelfeuer wird und der Brand sich dadurch rasend schnell ausbreiten kann.
Laut Waldbrandstatistik des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) kam es 2025 in Niedersachsen zu 128 Bränden. Rund 46 Prozent der Waldbrände entstanden aus unbekannten Ursachen, etwa 27 Prozent durch Fahrlässigkeit. Knapp jeder fünfte Brand wurde vermutlich vorsätzlich gelegt. Fast die Hälfte der fahrlässig verursachten Brände ging unter anderem auf Camper, Waldbesucher oder Kinder zurück.
„Jeder hat das Recht, den Wald zu betreten. Die Hürden, dieses Freiheitsrecht einzuschränken, sind entsprechend hoch“, betont Schütte. Dennoch plädiert er dafür, bei großer Hitze und Trockenheit die Bevölkerung noch intensiver über die lebensbedrohlichen Gefahren zu informieren. Dies sollte zunehmend auch über Soziale Medien passieren. „Dann würden noch mehr Menschen hellhörig und besser aufpassen“, ist er überzeugt. Viele Waldbrände könnten so verhindert werden.
Um der Feuerwehr die Arbeit zu erleichtern, wäre zudem eine digitale Erfassung der Wälder von Vorteil, meint Schütte. „In einer permanenten Inventur könnten die Bezirksförster die Veränderungen des Waldes laufend erfassen“, sagt er. Dann wüssten die Feuerwehreinsatzleitungen sofort, ob es sich bei dem brennenden Waldstück um eine Neuanpflanzung oder einen älteren Kiefernbestand handelt und könnten daraus schon Rückschlüsse ziehen und Einsatzentscheidungen ableiten.
Wie wichtig solche Informationen im Ernstfall sein können, zeigt auch der Zustand vieler Wälder. Denn sie haben sich laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) von den extrem trocken-heißen Sommern der Jahre 2018 bis 2020 noch immer nicht vollständig erholt. Besonders stark betroffen sind Eichen: Bei mehr als der Hälfte wurde 2025 eine deutliche Kronenverlichtung festgestellt. Neben Insekten- und Pilzbefall spielt dabei auch das hohe Durchschnittsalter der Baumart eine Rolle.
Deutschland ist aus Schüttes Sicht bei der Waldbrandbekämpfung regional gut aufgestellt – anders als beispielsweise Frankreich mit seiner zentral organisierten Struktur. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch Landwirte. Ihre Trecker und Güllefässer gelangen im Einsatzfall dorthin, wo große Löschfahrzeuge an ihre Grenzen stoßen. „Die kommen mit ihren Treckern und Güllefässern fast überall hin”, lautet Schüttes Erfahrung. Damit die Fahrzeuge auch Löschwasser bereitstellen können, seien jedoch Auffangbehälter und Übergangsstücke nötig, um die Anschlüsse der Güllefässer mit denen der Feuerwehr kompatibel zu machen.
Auch eine anteilige Förderung für die Anschaffung entsprechender „Ersatz-Löschwasserbehälter“, zu denen Güllefässer im Bedarfsfall umfunktioniert werden können, wäre aus Sicht der Waldbesitzer wünschenswert. „Genügend Löschwasser an Ort und Stelle zu haben, ist im Brandfall das A & O“, betont Schütte. Im Gegenzug würden sich die Landwirte verpflichten, die Fahrzeuge im Einsatzfall bereitzustellen und einzusetzen. Durch die Zunahme von extremen Dürreperioden steigen das Risiko und die Intensität von Wald- und Vegetationsbränden drastisch. „Daher ist eine vermehrte Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, Landwirten und Förstern absolut sinnvoll und in Zeiten des Klimawandels sogar lebensnotwendig“, lautet Schüttes Einschätzung. (LPD 68/2026)
Ansprechpartnerin: Wiebke Molsen, Tel.: 0511 3670476, wiebke.molsen@landvolk.org