Wenn ein ganzes Jahr Arbeit verhagelt wird

Wenn ein ganzes Jahr Arbeit verhagelt wird

Landvolk fordert mehr Möglichkeiten zur Risikoabsicherung für Bauern

L P D – Die Unwetter der vergangenen Tage haben in Niedersachsen lokal zu erheblichen Schäden geführt. Für einzelne Betriebe sind sie existenzbedrohend, da auch nicht alle Schäden versicherbar sind oder von den Landwirtinnen und Landwirten versichert wurden. Nach ersten Schätzungen der Vereinigten Hagel-Versicherung wurden in Niedersachsen rund 100.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche geschädigt. „Kurz vor der Ernte ist keine Kompensation seitens der geschädigten Bestände mehr möglich – zahlreiche Betriebe müssen nun mit erheblichen Ertragseinbußen rechnen“, heißt es dort.

„Verstärkt wird diese Existenzbedrohung dadurch, dass die Landwirtschaft im Vergleich zur gewerblichen Wirtschaft immer noch keine steuerfreien Rücklagen bilden kann, um solche Risiken finanziell abzupuffern“, sagt Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies. Er fordert daher die Politik dringend auf, die steuerfreie Risikoausgleichsrücklage endlich zu ermöglichen, damit Landwirte selbst mehr Verantwortung für ihre Höfe übernehmen können – genau wie in anderen Wirtschaftszweigen.

Neben den Getreide- und Rapsbeständen haben auch Kartoffel-, Gemüse-, Obst- und Rübenkulturen gelitten. Die Schäden im Alten Land werden von der Vereinigten Hagel-Versicherung inzwischen auf mehr als 30 Millionen Euro geschätzt. „Das Land muss die Mehrgefahrenversicherung besser und einfacher fördern und vor allem muss sie bundesweit vereinheitlicht werden, um den Wettbewerbsnachteil gegenüber den anderen europäischen Ländern auszugleichen, wo diese Systeme schon lange etabliert sind”, sagt Hennies. Im Alten Land habe mehr als die Hälfte der Obstbaubetriebe keine Hagelversicherung abgeschlossen. Dies sei oftmals keine bewusste Entscheidung gegen Versicherungsschutz, sondern die Folge der angespannten wirtschaftlichen Situation vieler Betriebe.

„Für solche besonderen Vorkommnisse direkt vor der Ernte müssen für Landwirte und Obstbauern die Möglichkeiten für Liquiditätsdarlehen, zum Beispiel von der landwirtschaftlichen Rentenbank, deutlich verbessert werden“, meint Hennies. Viele Landwirte seien ohnehin frustriert, weil sie ihre Lebensmittel zu deutschen Auflagen und Standards anbauen, sie aber zu Weltmarktpreisen verkaufen müssen. Auch die Marge zwischen den hohen Verbraucherpreisen und den niedrigen Erzeugerpreisen landet nicht auf den Höfen. „Gerade, wenn es sowieso knapp wird, ist es bitter, wenn die Arbeit eines ganzen Jahres buchstäblich verhagelt“, kann Hennies den Frust und die Sorgen seiner Berufskollegen auch aus eigener Erfahrung nachvollziehen. (LPD 54/2026)

Ansprechpartnerin: Wiebke Molsen, Tel.: 0511 3670476, wiebke.molsen@landvolk.org